Kurzgeschichten von unserer Anna

In Zusammenarbeit mit: Patricia von Luck (Kaufmann)

„Weihnachten 2016“

Anna, das Café Lézard und Oma Lenis Weihachtstorte

„Aber kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend.“ (Goethe)

Es sind noch zwei Tage bis zum Heiligen Abend. Draußen tanzen die Schneeflocken und rieseln gemächlich zu Boden. Anna sitzt im Café Lézard und blickt in das Flöckchentreiben hinaus. Hier am Fenster kann sie sehen, wie der Winter Einzug hält in Berlin. Sanft und pudrig – wie der Zucker auf den Torten der Patisserie.
Die junge Frau rührt gedankenverloren in ihrem Kaffee und betrachtet wohl zum fünften Mal die Gebäckauslage am Tresen.
Marmorne Cupcakes, sandfarbenes Gebäck mit Hagelzucker und Küchlein mit rosafarbener Creme im nussbraunen Teig.
Anna hatte sich entschieden, heute würde sie ein paar von den kieselgrauen asymmetrischen Keksen nehmen und ein Stückchen von dem Aprikosenkuchen. Ein letztes Stück vom Sommer, während draußen in Berlin in der Bamberger Straße die Flocken tanzen. Natürlich würde Sie wieder zu ihren Eltern auf die kleine Insel fahren, mit ihnen zusammen Karpfen „blau“ essen, dann würden sie gemeinsam in die Kirche gehen und es sich danach am heimeligen Kamin gemütlich machen. Ja, so war ihr Weihnachten, seit sie denken konnte. Sie mochte die Weihnachtszeit, die immer auch ein bisschen wehmütig stimmte und sie gedanklich zurück katapultierte in pausbäckige Kindertage.
Ihre obligatorische Torte aus dem Café Lézard gehörte in der Familie Berner inzwischen zu Weihnachten wie der Karpfen, die Kirche und der Duft von Mandarinen, Schokolade und Tannenzweigen. Schon vor Jahren hatte Anna aufgehört ihren Eltern zum Fest Kalender, Krawatten und Parfum zu schenken. Das brauchte kein Mensch. Seit sie vor sieben Jahren ins Viertel gezogen war, bestellte sie immer eine Weihnachtstorte im Lézard.

Die Idee war damals aus der Not geboren. Sie war gestresst von der Arbeit, hatte keine Zeit sich ins Einkaufsgewühl zu stürzen und keine, wirklich keine, Geschenkidee für ihre Lieben. Tja und dann sah sie die junge Frau aus der Patisserie kommen mit dieser wundervollen Arielle-Torte. Meerblau lasiert mit rosafarbenen Korallen und obenauf thronend die Meerjungfrau mit schuppigem Fischschwanz und feuerrotem Haar. Eine Torte wie Bildhauerei. Anna streicht sich über den glatten Bauch. Sie träumte schon so lange von einem Kind. Aber es passte nicht in ihr Leben, sie war so eingebunden in Alltag und Arbeit. „Mach es einfach“, hatte ihre Patentante Liz ihr geraten, ein Kind passe nie in das Leben einer Frau.
Und sie und Alex hatten sich nun entschieden. Sie ließen es darauf ankommen. Vielleicht war es ihr letztes Weihnachten ohne Kind. Vielleicht würde sie im nächsten Jahr schon Mutter sein. Anders als Alex ging sie mit gemischten Gefühlen in das Abenteuer. „Wir werden sehen“, denkt Anna, wischt ein paar Krümel vom Tisch und wiederholt gedanklich wie ein Mantra die Worte: „Wir werden sehen, wir werden sehen.“ Das passierte immer, wenn sie von Ängsten geplagt war. Manchmal zählte sie: 1 2 3 4 5, damit die Gedanken keinen Platz im Kopf finden. Angst ist Schutz. Angst ist Gefühl. Aber Angst ist auch lenkbar. Was würde sie tun, wenn die Beziehung zu Alex nicht standhielte? Was, wenn sie irgendwann als Alleinerziehende dastünde. Wie sollte sie das alles managen? Ihr Leben war so schon manches Mal beschwerlich, mit Job, Beziehung, Sport, Haushalt und ihren Freunden. Aber alle anderen schafften es doch auch. Und: Wie wäre das finanziell? Berlin ist teuer. Reichte nur ein Gehalt? Jetzt hatten sie zwei Einkommen. Und dann wären sie ja zu dritt statt zu zweit. Da boxte man sich ein Leben lang durch. Abi, Studium, im Job. Immer weiter, weiter, weiter. Wie wäre ein Leben mit Kind? Spielplatz statt Büro? Ihr Ehrgeiz rückte von Monat zu Monat mehr und mehr in den Hintergrund. Ja, ein Kind war genau richtig. Nur, wenn das mit Alex nicht klappte, wenn das mit Alex nicht klappte …

Sie sah sich schon zurück auf der Insel – gestrandet. In der Provinz, wo jede kleine Begebenheit wie ein Bumerang einmal die Runde machte über Gartenzäune und dort kleben blieb bis zum Nimmerleinstag. Sie mochte Berlin. Die Anonymität, in der man sich seine Räume selbst suchte, Orte wie das Lézard. Anna schiebt den Kaffeebecher zur Seite und nimmt ihr Handy aus der Tasche. Ihre Oma hatte eine Whats app geschickt. Mit Emoji. Ein dicker feuerroter Kuss. Anna muss schmunzeln. Ihre Oma Leni! Jede Generation hat so ihre Herausforderungen. Angst vor Computern die eine Seite – Angst vor Schwangerschaft die andere. Bei ihr war es die Unabhängigkeit. Oder besser gesagt: die Angst vor Abhängigkeit. Das war Anna klar. Und es war doch auch berechtigt. Sie schickt ein paar Zeilen an ihre Großmutter, die mit Gehirnerschütterung im Krankenhaus liegt. In diesem Jahr würde sie eine Oma-Leni-Torte zu Weihnachten bestellen. Grün wie ein Tannenbaum sollte sie sein, mit roten Weihnachtskugeln, viel goldenem Lametta, mit roten Kugeln, Strohsternen, Holzwichteln mit bunten Mützen, winzig kleinen Nussknackern und einem aufragenden modellierten Stern in der Mitte. Die Torte sollte aussehen wie Oma Lenis Tannenbaum.

Im ersten Jahr war Annas Mutter Karin ein bisschen beleidigt, als Anna mit der Eistorte zu Weihnachten vor der Tür stand. Mama hatte ihren obligatorischen Apfel-Zimt-Kuchen gebacken, der meist zu trocken und immer ein bisschen schief geriet. Die Eistorte war schnell weggeputzt und der Apfelkuchen blieb übrig. Ihr Vater hatte ein Anstandsstück gegessen. Der Kuchen hatte irgendwie mickrig gewirkt neben diesem Eistraum in Weißgold. Aber zurück ins Café. Zu Anna, dem Flöckchenspiel auf der Straße und dem Aprikosenkuchen. Wenn Oma nach Hause darf zu Weihnachten, wäre die Torte perfekt; und wenn Oma im Krankenhaus bleiben muss über Weihnachten, gäbe die Torte Anlass, um über Oma zu reden und sie gedanklich in ihre Mitte zu holen. Gleich würde sie die Torte bei Steffi bestellen. Diesmal kam sie nicht mit „nackten Ideen“. Die grüne Lasur sollte so ziseliert werden, dass es wie die Zweige eines Tannenbaumes aussah, Baumschmuck und Kugeln kämen bunt verteilt oben drauf und der goldene Stern würde in die Höhe aufragen. Im letzten Jahr hatte sie zu Weihnachten einen dreidimensionalen Engel bestellt. Ein bisschen kitschig, zugegeben, aber, wenn Kitsch, dann doch zu Weihnachten. Das Anschneiden wollte allerdings keiner übernehmen. Am Ende fasste sie sich selbst ein Herz und setzte das Messer erst einmal weiter unten am Tortenboden an. Und im nächsten Jahr? Ein Tortenkrippenspiel mit Maria und Josef und dem Neugeborenen? Wer weiß, ob sie dann noch Zeit hätte Torten zu bestellen. Ihr Mütterfreundinnen waren immer gestresst. Einmal hatte Anna für ihr Patenkind Malina eine Geburtstagstorte bestellt, das Design war umwerfend, eine Ponytorte für die kleine Pferdenärrin. Die Torte war das Highlight! Und etwas ganz anderes als ein belegter Tortenboden mit Mandarinen aus der Dose und einer Tortenlasur aus der Tüte drübergeschmiert, wie man das gemeinhin von Kindergeburtstagen kannte. Junge oder Mädchen? Egal, Hauptsache gesund. Ja, ein alter Hut. Aber das wünschten sich alle angehenden Eltern auf dieser Welt: ein gesundes Kind. Anna zieht sich ihren neuen Kuschelpullover an und packt ihre Siebensachen zusammen. Zeit zu gehen. Die Torte war bestellt und draußen dämmerte es langsam. Anna schließt sorgfältig die Knöpfe ihres Mantels. Es war kalt geworden.

Berlin ist groß. Dennoch hatte Anna hier ihren Platz gefunden. Solange sie in Berlin wohnte, würde sie hier einkehren: allein, wie heute oder wie so oft mit ihrer Freundin Marlen. Sie würden auf dem lila Sofa sitzen, bei Kaffee und Kuchen quatschen und sich sogar an einem grauen Novembertag wohlfühlen. Und eines Tages würde sie vielleicht mit ihrer kleinen Familie hier einkehren. Auch noch, wenn sie irgendwann ein kleines Häuschen außerhalb von Berlin fänden. Wenn man sich das erlauben konnte, mit nur einem Gehalt. Würden sie beide in Elternschutz gehen können? Ach, es wird schon alles gut gehen, gut gehen …. Anna saugt noch einmal den puderzuckrigen Duft der Patisserie ein und tritt auf die Straße. Eine kleine Schneeflocke kitzelt sie an der Nasenspitze. Anna freut sich auf Weihnachten; und irgendwie auch schon auf eine kleine Familie.

 

„Neujahr 2017“

Die kleinen Dinge des Lebens, ein Gläschen Sekt und eine Patentante in Spe

Es scheint mir, dass allein der Zustand der Schwangerschaft uns immer wieder an’s Leben anbindet.“

(Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Anna sitzt im Café Lézard und wartet auf ihre Freundin Fredi. Draußen ist es wintergrau.
Der Himmel regnet und regnet und regnet. Wie feine durchsichtige Bindfäden rinnt das Wasser auf die nassgraue Straße. Heute keinen Kuchen. Anna hat es mit dem Essen über die Feiertage ein bisschen übertrieben. Mehr als ein bisschen. Karpfen. Entenkeule. Rotkohl. Knödel. Fette Soße. Weihnachtstorte. Plätzchen. Schoki. Kartoffelsalat und Würstchen. Und wieder Torte und wieder Schoki. Dass man sich zu Weihnachten immer so gehen lassen musste. Egal. Hatte ja alles so wunderbar geschmeckt. Im Café werden die Kerzen auf den Tischen angezündet. Das Lézard ist gut besucht und immer mehr Gäste drängen nach. Für so einen tristen Januartag gab es nur zwei Möglichkeiten: Im Bett bleiben und den ganzen Tag Serien gucken oder in ein heimeliges Café einkehren.

Man musste sich ja nicht immer den Bauch vollschlagen. „Ein Tee mit Honig wärmt die Seele“, pflegte Oma Leni zu sagen. Wie schön, dass sie Weihnachten dabei sein konnte. Sie hatte sich selbst aus dem Krankenhaus entlassen mit den Worten „Das Leben ist kurz.“ „Typisch“ denkt Anna schmunzelnd. „Er wärmt auch die Hände“, findet Anna und trinkt kleine Schlucke. Sie rinnen ihr wohltuend die Kehle hinab. Sie hofft sehr, mit ihrer Oma im Frühjahr im Café Lézard einkehren zu können und mit ihr hier zu schlemmen. Oma bestellte immer diese feine Erdbeertorte und Tee. Den trinkt sie wie die Engländer mit einem Schuss Milch.
Das mit-dem-für-zwei-Essen in der Schwangerschaft war keine gute Idee. Sie sollte Gutes essen. Sie würde ihre Mütterfreundinnen demnächst mal interviewen und sich ein paar Bücher zur Schwangerschaft zulegen. Soviel sie wusste, durfte man bestimmte Käsesorten nicht essen …, tja, das war es auch schon, was sie über Ernährung in der Schwangerschaft wusste. „Fredi, wo bleibst Du?“ Ihre Freundin knallte sich gnadenlos mit Terminen zu und dann kam sie immer und überall zu spät und war gestresst. Anna hatte sich auf diese Macke von Fredi eingestellt. Meist nahm sie sich ein Buch mit oder daddelte ein bisschen mit ihrem Smartphone herum, wenn sie mal wieder auf Fredi warten musste. Was für ein Jahr! Man denkt, die Zeit „fliegt nur so weg“, aber blickt man zurück, passiert doch richtig viel in zwölf Monaten. In 2016 war alles dabei. Die Hochzeit ihrer Freundin Jana mit Olli auf Mallorca. Bei herrlichstem Wetter hatten Sie in der Finca mit Pool gefeiert.

Anna hatte sich prompt in die Insel verliebt. Immer diese Schubladen, in denen man denkt. Mallorca hatte sie ihr Leben lang abgestempelt als spanische Insel für Proleten-Deutsche. Dabei war es so unfassbar schön dort im März zum balearischen Frühling. All die Mohnblumen und die Mandelblüte. Und dieser typisch mediterrane Duft der Welt, der immer Lebenssehnsucht und Abenteuerlust in ihr weckte. Ihr Freund Alex wäre am liebsten prompt geblieben. Vorort denkt man noch „Why not?“ So übermütig. So weltfremd. Sie waren Hand in Hand durch die Altstadt von Palma de Mallorca geschlendert und hatten sogar nach Wohnungen geguckt; und sogar Anna hatte sich gedanklich schon in einer eingerichtet. Ein kleines Apartment mit schiefem Balkon nach vorn auf eine kleine Gasse hinaus; und hinten gab es eine Terrasse mit Blick über die Dächer der kleinen alten Stadt.
Alex steckte sie immer an mit seinen Träumereien. Nein. Sie war kein Aussteigertyp. Schade! Wie gern wäre sie mutiger. Wirklich schade! Bei ihr musste immer alles nach Plan laufen. Sie, Anna Berner war typisch und langweilig durch und durch Deutsche. Mit Pünktlichkeitswahn, sie war Sicherheitsfanatikerin, nie wirklich spontan und überängstlich. „Immerhin bin ich in 2016 das erste Mal Achterbahn gefahren“, triumphierte Anna innerlich. Das lässt doch hoffen. Sie würde das Mallorca-Thema nicht kategorisch ablehnen. Nur jetzt war kein guter Zeitpunkt. Ihr Kind könnte dort zweisprachig aufwachsen, es gab in Palma eine internationale Schule und es lebten viele Deutsche auf der Insel – eine gute Mischung. Sie könnte als Eventmanagerin dort bestimmt Arbeit finden und Alex als Mediziner auch. Why not? Man müsste das gut vorbereiten …. Anna schiebt den Gedanken weg. Später …, später einmal. Wo bleibt Fredi? „Ach, was solls“, Anna würde sich doch noch einen Mohnkuchen bestellen. Damit hatte sie schon die ganze Zeit geliebäugelt. Und einen koffeinfreien Cappuccino dazu.

Was war noch 2016? Sie hatte eine Gehaltserhöhung erhalten, ihre Freundin Greta hatte sie zur Patentante gemacht, ihr Jugendfreund Jonas war um Haaresbreite dem Anschlag in Nizza entkommen; die Amerikaner drehen völlig durch und machen Trump zum Präsidenten, Putin kerkert Journalisten ein, Ungarn errichtet Zäune und Erdogan scheint auf eine Diktatur zuzustreben – inmitten Europas. „Sich an den kleinen Dingen des Lebens freuen“ solle man, so stand es in jedem Glücksratgeber. Tja, wenn das so einfach wäre. Anna kostet den Kuchen. „Mmh!“, gute Entscheidung, den Vorsatz zu brechen. Diese süße Verführung dieser cremigen Mohnmasse, die immer leicht am Löffel klebte.
In solch Zeiten Kinder zu bekommen, fühlte sich nicht wirklich rundum gut an – wenn die Welt uns irgendwie überall um die Ohren fliegen kann. Klar: „Wir lassen uns unsere demokratische Freiheit nicht von ein paar irren Fanatikern kaputtmachen“, das sagt sich so leicht. Das sagen immer alle in die Kamera. Aber schaffte man das? War man noch so frei und unbeschwert wie vor einigen Jahren? Nein! War man nicht. Sie war es nicht. Dennoch war ihr Leben schön. Ihr Leben im Allgemeinen und auch die kleinen Momente! Wie jetzt zum Beispiel. Sie freut sich auf Fredi, isst Ihren Lieblingskuchen und erwartet ein Kind, mit dem richtigen Mann an ihrer Seite.

Anna schließt die Augen und lässt erlebte Momente noch mal Revue passieren. Den Geruch des schweißnassen Haflingers und die frische Winterwaldluft bei ihrem Reitausflug in Dänemark. Sie versucht sich an den Geschmack von dem Erdbeervanille-Softeis zu erinnern, den Trüffelkäse in Frankreich und die Weihnachtstorte mit dem Guss aus dem Café Lézard zu Weihnachten.

Fredi ist da. Hektik ist da. Tropfnass trotz Schirm steht ihre schöne Freundin da. Alle gucken (wenn Fredi kommt, gucken immer alle). Hängt den Schirm fahrig über die Stuhllehne und kippt bei der Aktion erst einmal den Kerzenständer um. Der Schirm wackelt zu Boden, Fredi bückt sich, um ihn aufzuheben, dabei schiebt sie quietschend den Stuhl nach hinten und knallt mit dem Ellenbogen gegen die Tischkante.

„Hejhej“. Ich kriege einen fetten Kuss verpasst, dann sitzt Fredi. Ab jetzt wird sie eine Weile reden, Hektik versprühen und gute Laune verbreiten. „Ach Fredi, du Sondermensch“, denkt Anna. Wenn Fredi da war, war der Regen kein Regen mehr, und die Straße nicht mehr januartrist. „Ich werde Mama“, kaum ausgesprochen, hatte Anna Fredi schon mit viel Gepolter am Hals hängen. „Wie cool“, quietscht ihre Freundin, wie megamegacool.“ Immerhin fällt der Regenschirm diesmal nicht zu Boden. „Ich werde endlich Patentante“, kreischt Fredi, wedelt mit den Händen in der Luft herum und ordert wild gestikulierend Sekt alkoholfrei. Und Kuchen natürlich. „Das wird ein Jahr“, „hast Du schon einen Namen?“, „wie lange weißt du es schon?“, hast du schon ein Ultraschallbild?“, „was sagt denn Alex?“, „der muss ja völlig aus dem Häuschen sein“, „oh mein Gott!“…. , „Prost Mama Anna.“

Zu den kleinen Momenten im Leben gehört immer auch das Café Lézard“, denkt Anna, als sie nach eineinhalb Stunden gemeinsam mit ihrer Freundin auf die regennasse Straße hinaustritt. Schön war es mal wieder in ihrer kleinen Kaffee-Tee-Kuchen-Oase.

 

Ohne Hochzeitstorte ist eine Hochzeit keine richtige Hochzeit.

Freundschaft ist die Ehe der Seelen“.(Voltaire)

Seit Wochen hat Anna dieses Kribbeln im Bauch. So, als würde sie noch mal ihr Abitur überreicht bekommen, als hätte sie Matchball im Finale ihres ersten Tennisturniers, wie damals, zur Premiere von „Schneeweißchen und Rosenrot“, als Anna Schneeweißchen spielen durfte. Die junge Frau ist fast so aufgeregt wie bei ihrem ersten Date mit ihrem zukünftigen Mann. Kurzum: Anna hat Lampenfieber. Sie wird heiraten. Sie möchte das nur einmal tun. Alles soll wunderbar werden, an ihrem großen Tag mit Alex – ein gutes Omen für die gemeinsamen Jahre.

Anna kann also nicht einfach bei irgendeinem Bäcker irgendeine Torte bestellen und einen Haken hinter „Torte“ auf ihrer Checkliste machen. Die Hochzeitstorte soll ein Meisterwerk werden. Eine Botschafterin für die Liebe. Sie soll ein Zeichen setzen. Anna wünscht sich, dass Vollkommenheit die Hochzeitstafel schmückt. So schön und perfekt, dass sie sie erst anschneiden können, wenn alle Gäste eine Fotografie von diesem Glanzstück gemacht haben. Anna wird die Torte im Café Lézard in Berlin bestellen. Dort ist sie häufig; und hat schon diverse Torten bestellt. Der Kuchen ist immer außergewöhnlich gut. Dort wird sie also ihr Hochzeitshighlight bestellen. Dreistöckig muss die Torte werden. Sie erwarten 60 bis 70 Gäste. Anna muss die Gedanken sortieren. Neben all den Checklisten braucht sie eine Extraliste, nur allein für „Torte“. Sie geht auf die Homepage des Café Lézard und scrollt die Seite „Hochzeitstorten“ hinunter. Sie braucht Inspirationen und die findet sie hier. Die Torten lösen sofort das erhoffte Kopfkino aus. Sie werden eine Torte bestellen, die den Wert widerspiegelt, den sie sich für ihr gemeinsames Leben am meisten wünschen. Das ist Beständigkeit. Die Torte muss robust sein. „Geht das auch dreistöckig?“, fragt Anna sich – sie benötigen ja eventuell 70 Tortenstücke. Ja, sicher, wenn man sie nicht so filigran gestaltet. Rund soll sie werden. Harmonisch rund.
Anna schaut im Netz nach, die Farbe Blau steht für Beständigkeit und Vertrauen. Perfekt. Blau nehmen sie für die Verzierungen. Die Torte selbst wird weiß. Frieden, Reinheit, Unschuld; und sie stellt Kontraste her. Wunderbar. Weiß passt auch zur Dekoration des Raumes! Anna denkt über die Form der Verzierungen nach, während sie einen Haken hinter Farben und Form auf ihrer Checkliste macht. Man könnte lauter kleine Symbole nehmen für Hobbys, Vorlieben, für die Dinge, die sie mögen im Leben – nein, das wäre überdekoriert, to much. Anna schließt die Augen und stellt sich eine weiß-blaue Torte vor mit vielen Symbolen. Ach nein. Doch nicht! Das würde aussehen, wie der Flyer einer deutschen Traditionsversicherung. Wie wäre es stattdessen mit Hellblau, Weiß und Gold. Perfekt. Aber wie herum? Hellblauer Guss und weiße Verzierungen mit goldenen Symbolen. Oder umgekehrt? Soll man die Farben in den Etagen wechseln. Nein: Lieber durchgängig. Wollen sie Schrift. Anna notiert „Schrift“ auf der Checkliste, Verzierungen auch. Bei der Gelegenheit fallen ihr noch Modulationen ein.

Auch, wenn sie noch nicht viele Häkchen hat, Anna kommt voran. Ein Bild von einer Torte puzzelt sich in ihrem Kopf zusammen. Sie scrollt die Torten-Designs des Café Lézard noch mal hinunter. Wo sitzen die Schriften, Verzierungen und Modellagen? Anna denkt an einen Guss in Hellblau und einen weißen Verzierungsrand auf der Oberseite der drei runden Torten. Rosen wären klassisch. Sind aber langweilig! Rosen haben auch Stacheln. Feine weiße Gänseblümchen vielleicht, nein, zu verspielt. Wie wäre es mit weißen Tupfen! Ja. Sehr schön: weiße Tupfen!
Die Torte wächst vor Annas innerem Auge zum Meisterstück heran. Wohin mit dem Gold, welche Schrift, welche Symbole? Ein paar goldene Perlen, hier und da, stell sich Anna schön vor. Ineinandergreifende kleine goldene Ringe irgendwo. Neben der Schrift. Sie fände das Datum des Hochzeitstages schön. Ganz einfach nur ein Datum. Oben auf die oberste Etage. Ob die Konditoren im Café es schaffen, auf die dritte Etage Anna und Alex als Figuren zu modellieren? Sie wird ihnen ein Foto geben; Fotos von den Hochzeitsoutfits auch. Die Geschmacksrichtung ist klar. Irgendetwas mit exotischer Note und Frische. Mango und Orangenfüllung. Das steht für schöne Reisen und die-Welt-entdecken. Das mögen sie beide. Vielleicht in Buttercreme. Das muss mit den Tortenmachern im Detail besprochen werden.

Anna ruft im Café Lézard an. Eine halbe Stunde später hat sie einen Termin am nächsten Mittwoch im Café, ein fast fertiges Bild von einer Torte, ihrer Torte, noch diverse weitere Punkte auf der Checkliste, dafür aber diverse andere auf der Liste abhaken können. Kommen tatsächlich alle 70 geladenen Gäste, könne man die Stücke einfach etwas kleiner schneiden, hat man ihr geraten. Klar. Guter Tipp. Alle Designwünsche scheinen umsetzbar, besprechen sie noch mal vor Ort. Anna kann Geschmacksrichtungen kosten am Mittwoch, Mango-Orangen-Buttercreme aber auch alternierende Cremefüllungen. Zu Hellblau passt natürlich auch gut eine bläuliche Frucht, hat man ihr ans Herz gelegt; und will ein paar Kostproben vorbereiten. Anna freut sich drauf. Eventuell wechseln sie die Geschmacksrichtungen doch in den drei Torten. Das ist auf jeden Fall möglich. Auf die Checkliste hat Anna noch „Abholzeit“ oder „Lieferzeit“ hinzugefügt und “Kühlungsmöglichkeiten“ am Hochzeitstag vor Ort.
Den Preis für die dreistöckige Torte machen sie am Mittwoch aus und unterschreiben gegenseitig einen Vertrag, mit Zahlungsmodalitäten (und so weiter). Solche Verbindlichkeiten findet Anna immer prima. In diesem Fall nimmt es ihr die Aufregung und macht sie sicher, dass es klappt, mit dem Tortenmeisterwerk für die Hochzeit. Anna entspannt sich. Nun muss sie nur noch über die Goldverzierungen nachdenken. Das Café Lézard hilft ihr dabei, wenn sie bis Mittwoch noch nicht sicher ist. Sie haben Kataloge für Beispieltorten und Inspiration. Trotzdem: Anna wird ihre Freundin Imme anrufen. Sie muss helfen. Sie ist der kreativste Mensch, den Anna kennt. Sie wird es richten und das Gold richtig platzieren. Anna freut sich. Sie heiratet. Sie hat eine Torte. Nicht irgendeine. Sie wird ihre Hochzeit mit einem Traum in Hellblau-Weiß-Gold aus dem Café Lézard krönen.

 

„Valentinstag 2017“

Ein Antrag und eine winzige Torte mit großer Botschaft.

Zwischen zwei Liebenden sollte jeder Tag Valentinstag sein“. (Benjamin Stramke)

Über den Valentinstag wusste Anna nicht viel – wie alle verschenkt sie am 14. Februar Blumen oder bekommt Blumen geschenkt – was Floristen sicher freut. Bisweilen besorgt sie auch Parfum, Pantoffeln oder edle Schokoladen, je nachdem was zu ihren Liebsten gerade so passt, oder von dem sie denkt, es käme grad gut an. Für Alex hat Anna in diesem Jahr ein Gedicht ausgesucht, ein Grafikerfreund, Max, hat es nach ihren Wünschen bearbeitet und auf ein schmales längliches Plakat gezogen.

Es sieht mega aus und hängt seit einer Stunde an der Wand. Anna liebt diese besonderen Geschenke! Einziges Manko: Die Schrift ist ein wenig zu klein geraten, weil das Gedicht aus dem 14. Jahrhundert unfassbar lang war; Anna und Max wussten nicht, wie man ein Gedicht sinnvoll kürzt. Am Ende haben sie sich dann auf eine kleinere Schriftgröße geeinigt. Verfasst hat das Gedicht ein gewisser Geoffrey Chaucer, ein englischer Schriftsteller. Ein paar Zeilen daraus konnte sie noch zitieren:

„All dies zusammen — mein‘ ich — Liebe wär‘,
Die mich beklemmt und mein Gefühl so sehr
Betäubt, daß ich — senkt sich auf sie mein Sinn —
Kaum weiß, ob wachend, ob im Schlaf ich bin“.

Es war auf eine altertümliche Art kitschig, aber das genau mag Anna. Erstmals soll es am Hofe Richards II am Valentinstag vorgetragen worden sein. Und Anna dachte immer, so wie einst „Halloween“ einfach über den großen Teich nach Europa geschwappt ist, so war irgendwann auch der Valentinstag da. Nun hat sie bei Ihrer Gedicht-Idee erfahren, dass der Valentinstag einmal ein kirchlicher Feiertag war und es in einigen Ländern bis heute ist, im Jahre 469 von einem Papst eingeführt, in Gedenken an christliche Märtyrer namens Valentinus oder Valentin, so genau weiß Anna das nicht mehr. Irgendwann wurde der Valentinstag dann als Kirchentag wohl wieder gestrichen.

In der vergangenen Woche hatte Alex Anna einen Heiratsantrag gemacht. Es war so perfekt. Keine peinliche Szene, wie man sie aus Hollywoodfilmen oder RTL-Sendungen kennt. Hätte Alex vor Tausenden Leuten im Fußballstadion um ihre Hand angehalten, sie hätte definitiv „Nein“ gesagt – trotz der Schwangerschaft. Sie musste nicht – aus Versehen – den in der Buttercreme versteckten Ring herunterschlucken; oder um sein Leben bei einem Fallschirmsprung bangen, während Hunderte von roten Luftballons am Himmel schwebten. Nein, auf Ihren Alex war Verlass, er wusste, was sie wollte, oder eben auch nicht wollte. Er hatte sie zu Kaffee und Kuchen ins Lézard eingeladen. An einem diesigen Sonntag. Sie hatten sich Kaffee und Kräutertee bestellt und dann kam diese kleine Torte für sie beide aus der Backstube, mit der Aufschrift: „Hochzeit?“. Knapp und klar. Natürlich konnte Alex im Café Lézard nicht vor ihr auf die Knie gehen, aber eine rote langstielige Rose hatte er immerhin parat. Anna fragt sich noch immer, wie er es fertiggebracht hatte, die Rose unbemerkt ins Lézard zu schleusen.

Anna hatte sofort „Ja“ gesagt, weil sie genau diesen Mann wollte und keinen anderen, weil er der Vater ihres Kindes sein würde, weil sie ihn liebte, er sie liebte und sie sich vorstellen konnte, ihn bis zum Nimmerleinstag immer weiter zu lieben. Zugegeben, sie war ein bisschen jung, um zu heiraten, gerade 25. Aber, egal, sie konnten reden, sie konnten streiten, sie mochten die gleichen Dinge, und Alex war verlässlich. Das war ihr das Wichtigste, gerade jetzt, wo sie eine Familie gründeten.
Ein Datum hatten sie noch nicht festgelegt. Nur schnell sollte es jetzt gehen, damit sie noch ein schönes Kleid tragen konnte – ihr Bauch würde ja jetzt bald schon immer dicker werden. Vielleicht – hatten sie überlegt – erst nur standesamtlich zu heiraten und später dann kirchlich. Aber, es wäre auch schön, wenn sie den kirchlichen Segen schon hätten, wenn das Kind geboren würde. Sie musste das mit ihren Freundinnen besprechen, auch, weil sie diesen Brautquatsch nicht wollte, bei dem man betrunken umherzieht, um fremde Männer auf der Straße oder in irgendwelchen Kneipen zu küssen. Nicht, dass ihre Mädels das für sie planten!

Alex hatte den Vorschlag gemacht, das kleine Café Lézard für die erste Feier nach dem Standesamt zu buchen, nach der Trauung dort einzukehren und bei einem netten Miteinander mit ein paar Freunden und der Familie ganz unaufgeregt in ihrem Lieblingscafé ihren großen Tag zu begehen. Je länger Anna darüber nachdachte, je besser gefiel ihr die Idee.
Draußen schien nach so langer Zeit mal wieder die Sonne, die Luft roch schon ein bisschen nach Frühling, oder bildete sie sich das nur ein? Zurzeit hatte sie ständig das Gefühl durchs Leben zu hüpfen, alles war so leicht und schön und perfekt. „Genieß es, Anna, genieß es“, musste sie sich immer wieder selbst ins Gedächtnis rufen – es hatte auch andere Zeiten in ihrem Leben gegeben. Es war noch ziemlich kalt an diesem sonnigen Februartag. Anna wickelt den Schal um den Hals ein bisschen fester zu, zieht die Mütze noch ein wenig weiter über die Ohren hinunter und stapft in ihren Fellboots los. Es lässt ihr keine Ruhe. Sie will mal kurz im Café Lézard fragen, ob das überhaupt möglich wäre, ihren kleinen Hochzeitsempfang dort, bei geschlossener Gesellschaft, stattfinden zu lassen.

Als Anna die Tür öffnet und „ihr“ Café betritt, weiß sie schon beim Eintreten, dass sie an ihrem Hochzeitstag gern hier sein würde, mit ihrem Ehemann Alexander, all ihren Lieben und dem Geruch von Puderzucker, Marzipan und Vanillecreme.

 

„Ostern 2017“

Frühling in Berlin, eine österliche Feier im Park und eine Zitronentorte vom Lézard

Hoffnung ist Licht, Erwartung Dunkelheit.“ (peter e. schumacher)

So früh am Morgen war der Park kaum besucht. Auf einer Bank stillte eine Mutter ein Baby, in einer Ecke verrichtete eine Deutsche Dogge ihr Geschäft, ein Radfahrer surrte gemächlich vorbei, auf dem Weg zu einem Fußballspiel wahrscheinlich, die Sporttasche auf dem Rücken geschnallt. Es wehte ein lauer Windzug, die Luft roch nach Berliner Frühling, eine Mischung aus Rasengrün, feinem Diesel, irgendwie nach Moderholz, Hyazinthen und betörendem Jasmin.

Längst hatten die ersten Blumen ihre Köpfe aus der Erde gereckt. Butterblumen, Gänseblümchen, Mohn, Krokusse, Tulpen und Narzissen. Der Flieder hatte zarte feine Triebe in lila. Seit „Blumenbomben“ modern waren, mischte sich unterschiedlichstes „Geblühe“ unter die herkömmlichen Gewächse. Berliner Blütenchaos, das an die Wildblumenwiesen aus Kindertagen erinnerte.
Anna beginnt den Tapeziertisch zu decken, sie hat richtige Gläser und Teller eingepackt – Plastikgeschirr weht immer davon. Sie hat die weiße Tischdecke von Oma Leni extra in die Reinigung gegeben, sich überdimensional große Thermoskannen ausgeliehen, Kekse gebacken und eine Ostertorte aus dem Lézard dabei – feine Zitronencreme mit Baiser und Krokant, Gänseblümchen und einem Osterhasen in Vollmilchschokoladenguss. Später am Abend wollen sie den Grill anschmeißen. Anna hat nur wenig Fleisch besorgt, ein paar Grillwürste und Hühnchen vom Ökoschlachter, dafür hat sie ein halbes Vermögen hingeblättert. Das Rezeptbuch für vegetarische Grillspezialitäten hatte sie inspiriert, es gab gefüllte Tomaten, Champignons in Knoblauchöl eingelegt, mit einer Honigsojamarinade überzogene Zucchini, karamellisierte Karotten und Kartoffelgratin aus einer feuerfesten Schale. Sie hatte einen Salat mit großen Avocadostücken, Schafskäse und Tomaten in Zitronenessig und einen süßlichen Gurkensalat vorbereitet. Der Bollerwagen mit den Köstlichkeiten für das Grillfest steht im Schatten unter einem Rhododendronbusch, die Kaffeetafel war gedeckt. Mit zartlila Servietten, Schachbrettblumen in Terrakottatöpfen und Ostersüßigkeiten.

Anna schenkt sich einen Tee ein und setzt sich auf die kleine Fußbank. Warmer Dampf steigt von der Tasse auf – ein Gemisch aus Ingwer, Salbei, Limette und Honig. In den ersten Tagen der Schwangerschaft hatte Anna es mit Karokaffee versucht, eklig, sie trank jetzt Tee und konnte das inzwischen auch genießen. Tee war wohltuend. Anna lässt den Blick schweifen, über die Blumen, ihre Kaffeetafel, zum Volleyballfeld hinüber, auf die Baumknospen, die Sonne wärmt ihren Körper, ein paar Enten ziehen quakend am Himmel vorüber. Gleich würde Alex kommen, ihre Familie im Schlepptau, später würden ein paar Freundinnen und Kumpels von Alex dazustoßen. Jepp, ihr Leben war gerade perfekt. Sie wollten erst einmal in Berlin bleiben – trotz Kind. Die Wohnung war groß genug. In der letzten Woche hatten sie sich Häuschen in Kleingartenvereinen angeschaut. „Glück im Winkel“, „Alte Ziegenweide“, „Hansakorso“. Die „Alte Ziegenweide war nur vier Kilometer entfernt – gute Fahrradentfernung. Sie hatten sich auf die Warteliste setzen lassen (die Datschen waren heiß begehrt) und sich abends beim Essen vorgestellt, wie es sein könnte, dort im Gartenverein. Ein kleiner Sandkasten, eine Schaukel, später vielleicht ein Trampolin. Anna würde Lavendel, Bornholmmargariten, Kamille und Kornblumen pflanzen, eine Birke, weißen Flieder und einen Apfelbaum. Sie würden das Holzhäuschen im Schwedenrot anmalen und die Seele baumeln lassen. Sie könnten ihren Laptop einpacken und umschichtig arbeiten. Fredi reißt Anna aus ihren Tagträumen. Strahlend schön und wie immer gut gelaunt steht sie da, einen Klappstuhl untern Arm. „Hej, werde ich mal begrüßt? Wo ist der Schampus?“ Das Osterfest konnte beginnen. „Bitte, Petrus, lass es nicht regnen heute“ fleht Fredi dem Himmel entgegen. „Gib mir Sonne, gib mir Wärme, gib mir Licht“, summt sie. „Rosenstolz“, sagt Anna, „feier das Leben, feier das Glück.“

 

„Hochzeitsplanung 2017“

Eine anstehende Hochzeit, Seeluft in Boltenhagen und die Erkenntnis, dass weniger fast immer mehr ist

„Das Schicksal des Menschen ist der Mensch.“ (Bertolt Brecht)

Wenn es Unendlichkeit gibt, dann im Netz. Diese „Vielfalt“ macht das Leben eben aber nur manchmal leichter. Annas Checkliste und Konzeption zur Weddingplanung war inzwischen so lang wie der Kassenbon einer Kassiererin im Gartencenter zur Pflanzzeit nach Feierabend. Nachdem Anna voller Verve begonnen hatte, ihre Hochzeit mit Alex zu planen, hatte sie zwischenzeitlich keine Lust mehr, überhaupt zu heiraten, sie war drauf und dran einen Psychologen aufzusuchen und hatte sich diverse Male mit Alex gestritten – so häufig in den wenigen Wochen, wie zuvor in all den Jahren ihrer Beziehung nicht. Sie waren dann gemeinsam an die See gefahren. Durchatmen in Boltenhagen. Waren am Meer spazieren gegangen und hatten in einem Bauernhofcafé, in einem kleinen Lehmhaus, vor dem Kamin Landfrauentorte geschlemmt. Der Ostseewind hatte den Kopf frei gepustet. Und dann war alles ganz einfach. Als kämen die Gedanken sanft und seitlich, als forme sich ein Bild, frei von Zwängen, nicht so frontal und aggressiv wie mit all den Bildern von Aufsteckfrisuren für Bräute, den Hochzeitskleiderträumen in Tüll und all den „Hochzeitsbuffet-Aufmärschen“. Noch vor ein paar Tagen konnte Anna keinen stimmigen Gedanken fassen, ohne dass sich Bilder von Ritterburgen, Schlossgärten, Weinkellern oder Hausbooten wie bei einem Kaleidoskop an ihrem inneren Auge vorbei schoben. Das Kopfkino passierte ohne Zutun. Sie sah Perlmuttknöpfe und Silberspangen, Hochzeitskleider tief ausgeschnitten oder mit Glockenrock, im Etuischnitt oder gehäkelt, sie kreierte gedanklich Menükarten in zartrosa oder mintgrün, sah bauchige Rotweingläser, glänzendes Silberbesteck, schneeweiße Hochzeitstorten und wieder Hochzeitskleider in wieder anderen Schnitten und aus wieder und wieder anderen Stoffen.

Dabei war nichts kompliziert! Nicht mehr mit dem Ausschlussprinzip! Sie wusste jetzt, dass das alles nichts war, nicht für sie war; und alles fügte sich auf die richtige Weise. Sie hatte im Lehmhaus gesessen und Alex kam mit dem Kuchen. Sie hatten eine Weile beieinandergesessen und nichts gesagt und das Schweigen mit Alex in Boltenhagen an diesem Samstag im Spätapril war gut. Alex war der Mensch, mit dem sie am besten Gedanken nachhängen konnte. Bei Sonnenschein am Strand, bei Unwetterwolken in Berlin und im Lehmhaus vorm Kamin. Anna mochte die Stille mit ihm, die so viel Nähe war; und dann hatte sie diesen einen Moment erwischt, der verschlossene Türen zu verschlossenen Räumen öffnet. Sie wollte ein Leben mit Alex wie einen ruhigen bedächtig fließenden Fluss. Sie sah das Wasser, rein und klar und das Kräuseln auf der Oberfläche, sie sah Gänseblümchen und Klatschmohn am Flussufer, wilde Gräser, Brombeergestrüpp und Brennnesseln. In diesem Moment hatte sie die Augen geschlossen und stellte sich ihr Leben als Fluss vor. Kitschig, ja, aber so war es gewesen.

Sie würden eine völlig unaufgeregte Hochzeit feiern. Wenn sie Lust hatte, würde sie zum Friseur gehen, sie würde sich demnächst ein schönes Kleid kaufen, einfach eines, das ihr gefiel; und sie würden all jene einladen, die ihnen am Herzen lagen. Sie brauchten keinen Schlossgarten, keine Menükarten, keine Arrangements. Keine Performance. Wollten nicht in einer Nobelkarosse vorfahren. Je weniger Styleberatung, desto besser für das Mädchen von einer kleinen deutschen Insel und dem Jungen aus einem Dorf in Niedersachsen. Ihre standesamtliche Hochzeit war geplant. Standesamt am 30. Mai. 12 Uhr. Mittagessen bei dem Italiener mit der handgemachten Pasta, wo sie gern essen gingen – mit Familie, Trauzeugen und den liebsten Freunden. Am Nachmittag hatten sie ins Lézard geladen zur „Tortenschlacht“. Von dort würden sie weiterziehen zu einer kleinen unaufgeregten Feier in der Restauration vom Tennisclub. Der Abend sollte sich einfach entwickeln – bei guter Musik (DJ) und gutem Essen (Buffet).

Anna hatte alle To-do-Listen nach der Hochzeitsplanungs-Auszeit an der See in den Müll befördert, samt Fachzeitschriften und all den Ausdrucken aus dem Internet zu Probestylings, Tipps zu Hochzeitsfotografien, Schmink-und Farbberatungen und Maserati-Mietmodellen. Irgendwann einmal würden sie sich auch in der Kirche, mit dem Segen Gottes, das Jawort geben. Aber das hatte Zeit. Manchmal ist weniger einfach so viel mehr. Oder um es mit Schillers Worten, die sie für ihre Einladungskarte gewählt hatten, auszudrücken: „Einfachheit ist das Resultat der Reife.“ Anna war glücklich.

 

„Nach der Hochzeit und vor der Geburt“

Anna mit vielen Gedanken im Jetzt und inmitten des Glückes

Man weiß selten, was Glück ist, aber man weiß meistens was Glück war.“ (Françoise Sagan)

Das einzig Traurige am Glück, beim Glücklichsein, so mittendrin im Glück, ist das Wissen darum, dass es fortan und eigentlich nur noch bergab gehen kann, ist der Gipfel erst einmal erklommen. Dann steht man ja schon da oben; und höher hinauf geht es nicht mehr; und man weiß, man wird da nicht ewig stehen können – auf dem Olymp, dem Mount Everest oder auch nur auf dem Brocken im Harz. Die Größe beim Glück war egal. Berg ist Berg! Annas Leben war derzeit fast zu schön. Ständig war alles immer und immer perfekt. Sie erwischte immerzu diese Momente, wo das Glück so groß war, dass die Welt einfach aufhören könnte, sich zu drehen. Was sollte noch kommen? Anna hielt das Glück in den Händen und trug ein Ungeborenes unter dem Herzen; und sie wollte nicht, dass das aufhört. Natürlich wollte sie das nicht. „So könnte es auf ewig weitergehen“, befand Anna und ruckelte sich das Sofakissen im Rücken zurecht. Eigentlich wollte sie lesen, aber sie hatte zu viele Gedanken im Kopf, sie drängten nach, schoben sich zwischen die gedruckten Wörter.

Der Lebenshunger ist wie ein gefräßiges Tier. Gierig nach mehr. Und immer mehr. „Wie aberwitzig, wie grotesk“, denkt Anna. „Sei zufrieden, dass das Glück dich so berauscht, und hör auf, schon wieder Angst vor dem Abschied zu haben. Sei zufrieden …, Anna, sei zufrieden. Bade in deinem Glück und hör auf, immer wieder an das Morgen zu denken.“ Anna legt das Buch zur Seite. Es macht keinen Sinn. Sie hat dieselbe Seite nun schon zum fünften Mal gelesen, die Worte aber nicht aufgenommen. Ihr Kopf will jetzt denken, nachbereiten und vorbereiten.

Die Hochzeit war perfekt gewesen. Alle Freunde hatten mitgefeiert, bis auf Max, der hatte mit einer fetten Erkältung das Bett hüten müssen und einer Lieblingstante von Alex, die den langen Weg von Kansas über den Teich gescheut hatte. Sie hatten die schönste Hochzeitstorte der Welt gehabt, darüber mag man streiten, aber nicht mit Anna. Die Torte war genauso so gewesen, wie sie sie sich vorgestellt hatte. Ein Traum in Himmelblau, Schneeweiß und Gold. Das Essen im Tennisclub war sehr lecker gewesen. Feinste Speisen, aber nicht „überkandidelt“, wie Papa es ausgedrückt hatte. Der DJ hatte sich an ihre Wünsche gehalten und eine „perfekte Mixtur aufgelegt“, wie ebenfalls Papa es betitelt hatte. „Aufgelegt, ach Papa, du wirkst immer so herrlich aus der Zeit gefallen.“ Sie hatten keine dämlichen Wickelspielchen spielen müssen, auf ihre Freunde war also auch Verlass. Das Hochzeitskleid hatte ihre Bauchwölbung zwar nicht verstecken können, aber das hatte Anna auch gar nicht gewollt, sie hatte sich auch, oder gerade, mit Babybauch wunderschön gefühlt. Wie eine Braut sich fühlen soll, wenn sie den richtigen Mann an der Seite hat. Alex hatte auch gut ausgesehen in seinem lässig-schicken Outfit. Sie hatten getanzt, gelacht, gut gegessen, gesungen und das Leben genossen – das Leben. „Man heiratet schließlich nur einmal.“ Ein in die Jahre gekommener Spruch“, denkt Anna. Was hatte sie da kurz vor der Hochzeit für eine Statistik gelesen? In Großstädten wie Berlin überlebt nicht einmal mehr jede zweite Ehe. „Nicht einmal mehr eine Fifty-fifty-Chance“, hatte Anna schnell errechnet und sich trotzdem nicht darum geschert. Erstens, weil Liebe keine Rechnung ist und zweitens, weil jeder für sein Glück selbst verantwortlich ist. „Jeder ist seines Glückes Schmied“, hieß es doch schließlich auch. Man musste sich im Leben eben das heraussuchen, was passt oder passen könnte. Sie jedenfalls hatte vor, nur dieses eine Mal zu heiraten, mit Alex verheiratet zu bleiben und mit ihm und ein paar Kindern – wie viele wird man sehen – alt und grau zu werden. Vielleicht war das naiv. Aber man musste doch erst einmal losgehen, bevor man die Fehler macht. Angst frisst die Seele auf. Das kannte Anna, Ängstlichkeit. Sie wollte jetzt mutig sein. „Höchstens drei Kinder.“

Anna steht vom Sofa auf, stellt sich ans Fenster, öffnet dann die Balkontür und tritt hinaus. Endlich mal kein Regen. All diese Leben da draußen. Überall. All diese Träume. Eine junge Frau entsorgt gerade die vertrockneten Balkonblumen gegenüber im Hofhaus. Vergessen zu gießen! Hatte sie sich beim Kauf der Margerite sicher anders vorgestellt. Schneeweiß war sie einmal gewesen. Duftend, stolz und schön hatte sie ihre Blüten der Sonne entgegengestreckt. Vorsätze. Immer diese Vorsätze; und dann rast das Leben doch vorbei. Mit Terminen hier und Befindlichkeiten dort, derweil der Lebenssaft unbemerkt aus der Pflanze rinnt. Braunes Gestrüpp ist übrig! Nur noch Gestrüpp! Weil die Fürsorge fehlt. Weil das Leben der Menschen in Berlin zu voll ist. Weil die Dinge keinen Wert mehr haben, weil wir von allem zu viel haben. Zu viel Ballast. Zu viele Gedanken. Einfach zu viel von allem. Anna lässt den Blick weiter schweifen. Da steht der alte Mann am Fenster. Allein in seinem Leben ohne Leben. „Muss das sein, wenn man alt wird?“, fragt Anna sich. Womit er sein Leben wohl gefüllt hat. War er jemals in Afrika, in Cuba oder Peru? Hat er jemals karibische bunte kleine Nussschalen im türkisblauen Meer dümpeln sehen, ist er durch einen feuchtdüsteren Regenwald spaziert, hat er Wasser einen Wasserfall in Kanada hinunterschießen sehen, hat dieser Mann da drüben ehemals eine Frau gehabt, die ihn geliebt hat? Nur ihn? Hat er Kinder, die er behütet und geschützt hat, wie Annas Eltern es noch heute mit ihren Kindern tun? Ist er überhaupt je gereist? Hat der alte Mann Yoga ausprobiert oder andere Sprachen gelernt, war er ein Ruderprofi und hatte als kleiner Junge aufgeschürfte Knie und eine winterkühle Rotznase? Der alte Mann zieht sich zurück. Was er wohl tut, wenn er nicht am Fenster steht?

Die anderen Balkone sind leer. Im Hof unten ist es ruhig, nur der einsame Kater, den Anna manchmal füttert, döst in der Sommersonne, deren Tag für Tag sinkende Temperaturen den Herbst allmählich ankündigen. Das Fell des Katers schimmert orangen in der Sonne. „Garfield“, denkt Anna und hat nun endlich einen Namen für das Tier, das in der Anonymität Berlins keinen Platz findet. Oder ist der Platz genau dieser Hinterhof? Von irgendwo schallt Musik herüber. Klaviersonaten. Bach. Anna liebt die russischen Komponisten und die Italiener. Bach nicht so sehr. Manchmal spielt sie ihrem ungeborenen Sohn in ihrem Laib Musik vor. Querbeet. Ihr Kind soll offen für die Welt sein. Offen! Sie spielt ihm Reggae aus Trinidad vor, Rachmaninow, Silbermond, Rapp, Rock von Mylo und Co., französische Chansons, Jacques Brel und so etwas, sie hat Filmmusiken auf ihr iPhone gezogen, da gibt es wunderschöne Versionen mit Klarinettenmusik oder klassischen Gitarrenstücken. Anna spielt spanische und südamerikanische Rhythmen für ihr Kind, einfach alles, was sie selber liebt. Manchmal tanzen sie dann zusammen durchs Wohnzimmer. Anna und Lenn. Schlager spielt sie nicht! Die mag sie nicht. Zu einfach. So ist die Welt nicht. So einseitig. So platt. Die Texte sind oft das Grauen und Schlager versetzen Anna in keinerlei Stimmung. Stimmt nicht! Diese immer auf einem Ramtamtam-Ton durchlaufenden Schlagerrhythmen machen sie manchmal sogar aggressiv.

Anna kann das nicht hören. Mit ein paar Ausnahmen. „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens mag sie und „Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros. „Ich lieeehibe das Leben“, summt Anna. Es ist schön, nicht mehr arbeiten zu müssen. Anna genießt die Zeit. Sie baut ein Nest. Es ist fast fertig. Wickelkommode, Mobile, Fläschchenwärmer, Wiege und so weiter. Nur der Kinderwagen fehlt noch. Alex hat das Kinderzimmer tapeziert, als sie auf der Insel war. Mit halbhoher Tapete und einer Abschlussleiste. Das war eine Überraschung für sie. Absolut gelungen! Auch, wenn sie die Tapete nicht aussuchen konnte, Alex hat alles genau nach ihrem Geschmack ausgesucht. Keine Autos oder geschmacklosen Dinos. Er hat kleine feine Streifen gewählt in warmen Blautönen, ihren Lieblingsfarben. „Passt ja auch zu einem Jungen“, fällt ihr jetzt gerade erst auf. Anna lümmelt auf dem Sofa, liest jetzt viel, endlich wird der Stapel der ungelesenen Bücher – davon gab es reichlich – kleiner. Sie telefoniert viel mit ihrer Familie, mit Oma Leni, Mama und ihren Freundinnen. Manchmal kann sie zwar all die guten Ratschläge nicht mehr hören, aber trotzdem. Alle finden das aufregend und nehmen Teil an ihrem Leben. „Was für eine Gnade“, findet Anna, „solch eine Familie im Rücken zu haben.“ Das Glück meint es einfach gut mit ihr. Sie will jetzt nicht mehr an den alten Mann gegenüber denken, auch, wenn sie nicht weiß, wie ihr eigenes Leben einmal endet, in Einsamkeit, mit Krankheit oder wie auch immer.

Anna ist glücklich. Sie wird jede Sekunde, jede Minute und Stunde davon genießen. Mein Gott, dann wird es eben auch wieder andere Tage geben. Alles andere wäre unnormal, langweilig und triste. Gleich kommen ihre Freundin Greta und ihr Patenkind Malina zu Besuch. Malina hatte Geburtstag. Anna möchte ihr eine Reithose kaufen, vielleicht gehen sie noch irgendwo ein Eis essen und kehren noch mal im Lézard ein. Wie meist. Malina liebt den Kuchen dort und das lila Sofa. Sie hat inzwischen auch ein kleines lilafarbenes Sofa in ihrem Kinderzimmer. Vergangene Woche musste Anna dort Café mit Malina spielen und Wasser aus winzig kleinen Porzellantassen trinken. Dazu gab es Kinderschokoladenriegel auf Minitellern angerichtet.  Anna schmunzelt. „Hoffentlich ist der Sofaplatz frei, im Lézard.“ Anna liebt die Eigenschaft von Kindern, irgendwo reinzuplatzen und dann genau dort zu sein, wo sie gerade sind. Sich dort in dem Moment oder den Momenten „einzurichten“ und nicht mit den Gedanken zur gleichen Zeit woanders zu sein. Das zerstört das Glück. Warum tut man das? „Sei glücklich, Anna, sei einfach glücklich.“ Jetzt und hier. Es klingelt an der Tür. Anna schlüpft in ihren Mantel, schließt die Wohnungstür und nimmt im Treppenhaus sehr gemächlich Stufe für Stufe. Ihr Bauch ist kugelrund. Sie könnte eine Teetasse darauf abstellen. Anna strahlt, als sie Malina in die Arme schließt. Glück ist immer im Jetzt.

 

 

 

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